Das Tragen wird zunehmend beliebter. Eltern sehen immer häufiger die Vorteile dieses engen Körperkontaktes - sowohl für ihr Baby, als auch für sich selbst.
Auch viele Hersteller haben die neue Tragekultur entdeckt und bieten diverse Tragemöglichkeiten für Babys an. Leider sind viele dieser Tragehilfen nicht unbedingt empfehlenswert. Einige Eltern wollen ihrem Kind ein besonders schönes Trageerlebnis bieten und beachten aus diesem Überschwang heraus einige wichtige Dinge nicht.
Beim Kauf eines Tragesystems sollte zudem davon ausgegangen werden, dass es eine natürliche Verhaltensweise einem “Jungen” gegenüber ist. Es hat nichts mit einer Modeerscheinung zu tun - auch wenn es zunehmend als “trendig” vermarktet wird. Pimär sollte also immer die Gesundheit des Kindes und des Trägers im Vordergrund stehen. Erst dann kann auf Design und Farben eingegangen werden. Die einfachen Tragehilfen, ohne große ausgefeilte Details oder Erweiterungen haben sich hier immer bewährt - eben so natürlich und einfach wie möglich.
Aus den Ausführungen unter “Wissenswertes” können 3 wichtige Grundvoraussetzungen zum richtigen Tragen zusammengefasst werden.
Nachfolgende Punkte sollten Sie bei der Wahl der Tragehilfe und beim Tragen immer beachten!
- die verwendete Tragehilfe sollte den natürlichen Rundrücken des Babys zulassen und die Anhock-Spreiz-Haltung ermöglichen
- das Material muss stützen und unterstützen
- von einer korrekten Anhock-Spreiz-Haltung kann gesprochen werden, wenn die Tuchbahnen (Tragetuch) bzw. der Steg (Tragehilfe) von Kniekehle zu Kniekehle reichen und sich die Knie des Kindes ungefähr in der Höhe des Bauchnabels befinden
Bitte tragen Sie Ihr Baby nicht mit dem Gesicht nach vorn in Laufrichtung!
Oftmals wählen Eltern diese Trageweise, weil sie ihrem Kind maximale Sicht ermöglichen wollen. Auch in den Medien wird diese “Trageart” häufiger propagiert. Die “Nach-Vorn”-Trageweise hat allerdings nichts mit der Natürlichkeit des Tragens zu tun. Das Kind kann in dieser Position nicht die korrekte Anhock-Spreiz-Haltung einnehmen. Oftmals wird es in das Hohlkreuz gedrückt. Der wichtige Blickkontakt und damit die Rückversicherung zu Mutter oder Vater ist nicht möglich. Das Baby hat keine Gelegenheit, sich zurück zu ziehen - es ist ständig mitten im Geschehen. Es findet eine Reizüberflutung statt. Bei Jungen liegt das Hauptgewicht auf den Hoden und bei Mädchen auf der Symphyse.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind in einem Alter ist, wo es mehr von der Welt sehen möchte, können Sie es auf der Hüfte oder auf dem Rücken tragen. Diese Trageweisen sind mit einem Tragetuch und auch mit einigen anderen Tragehilfen möglich.
In der Rubrik “Warum Tragen” habe ich unsere direkten Verwandten - die Affen - erwähnt. Im Zoo oder in Tierfilmen kann beobachtet werden, wie Affenmütter ihre Jungen tragen. Die Jungtiere klammern sich im Fell der Mutter fest und werden am Bauch oder auf dem Rücken transportiert. Wenn wir vom Tragen als ganz natürliche Verhaltensweise ausgehen, können und müssen wir auch die Frage nach dem “Nach-Vorn”-Tragen stellen. Wir werden diese Art des Tragens in der freien Natur bei den Primaten nicht finden. Eine solche Tragevariante ist anatomisch nicht möglich. Die Ausbildung der Fähigkeit so zu Tragen wurde nicht vorgesehen, da diese Trageform in keinster Weise einer natürlichen und gesunden Entwicklung des Jungtieres entspricht.