Einige Fragen tauchen in Bezug auf Tragehilfen immer wieder auf. Nachfolgend werde ich einige beantworten.
Wenn ein Kind so eingebunden im Tragetuch ist - da bekommt es doch bestimmt keine Luft mehr?
Bei einer richtigen Tragetechnik ist diese Befürchtung unbegründet. Im Gegenteil - das Tragen fördert sogar die Sauerstoffsättigung im Blut.
Sauerstoffmangel beim Kind führt zu einer erhöhten Kohlendioxid-Konzentration im Blut. Hier würde dann die Schutzfunktion des Körpers greifen - das Kind wacht auf. Seien Sie also ganz beruhigt, wenn Ihr Kind selig im Tragetuch schlummert!
Also ich weiß nicht. Wenn ich mir die Haltung meines Babys anschaue und den krummen Rücken - das kann doch nicht gesund sein mit dem Tragen!
Gerade das Tragen ist für die Entwicklung der Wirbelsäule eines Säuglings sehr förderlich. Die Wirbelsäule eines Erwachsenen hat die typische „S-Form“. Dieses Merkmal fehlt bei einem Neugeborenen. Die Form hier ist die totale Krümmung (Rundrücken). Die Streckung der Wirbelsäule erfolgt in drei Schritten. Dieser Prozess dauert ca. 1 Jahr. Das lange Liegen im Bettchen oder im Kinderwagen ist unter diesem Aspekt gar nicht sinnvoll.
Aus diesem Grund ist es wichtig, eine Tragehilfe zu wählen, welche das „Rundwerden“ des Babys zulässt. Dabei muss sie aber auch ausreichend stützen, damit das Kind nicht in sich „zusammenrutscht“. Am besten ist eine Tragevariante, die den Säugling wie eine gute Bandage umschließt, stützt und die natürliche Haltung ermöglicht.
Immer wieder lese ich von der „Anhock-Spreiz-Haltung“. Aber wenn ich mein Kind trage, ist das doch schon gut – was muss denn da noch beachtet werden?
Das Tragen eines Kindes ist ohne Zweifel die natürlichste Art ein Kind bei sich zu haben. Aber auch hier kann einiges falsch gemacht werden. Wie bereits erklärt, kommt ein Baby mit einem Rundrücken auf die Welt. Daraus resultiert die typische angehockte Haltung, wenn es z.B. liegt. Das Erzwingen einer vermeintlich „gesunden“ Haltung, in dem die Beine gestreckt werden führt dazu, dass das Becken des Kindes eine Alternativstellung einnimmt. Das Becken kippt nach unten und es kommt zu einer Hohlkreuzstellung. Solche Maßnahmen führen zu einer Fehlentwicklung des Hüftgelenkes – der Hüftdysplasie.
Bei der Wahl der Tragehilfe muß daher unbedingt darauf geachtet werden, dass die natürliche Anhock-Spreiz-Haltung des Kindes gewährleistet wird. Das Baby sollte einen guten Halt haben, das verwendetet Material der Tragehilfe muss stützen und unterstützen. Bei einem Tragetuch ist es wichtig, die Bahnen unter dem Po des Kindes so zu ziehen, dass der entstehende Steg breit ist und von Kniekehle zu Kniekehle reicht. Auch in einer anderen Tragehilfe ist auf den breiten Steg zu achten – nur so kann das Kind die natürliche Anhock-Spreiz-Haltung einnehmen. Die Knie sollten sich ungefähr in der Höhe des Bauchnabels befinden. Egal welche Tragehilfe sie benutzen – nur wenn dem Baby die Anhock-Spreiz-Haltung ermöglicht und das „Rundwerden“ des Rückens zugelassen wird, kann man von „richtigem Tragen” gesprochen werden.
Ich würde mein Kind ja gern tragen, aber ich mag es auch nicht verwöhnen!”
Sie haben recht - Sie verwöhnen Ihr Kind mit dem Tragen: Sie geben ihm Geborgenheit und Schutz. Ihr Baby spürt Ihre Nähe und Zuwendung. Gerade mit dem Tragen geschieht dies in einem hohen Maße. Aber Sie gewöhnen Ihr Kind nicht an das Tragen im Sinne von “Es wird wohl nie gern allein laufen”. Im Gegenteil. Durch das Tragen vermitteln Sie Ihrem Kind etwas ganz Wichtiges: eine Basis, ein Rückzugspunkt und Vertrauen. Ihr Kind macht die Erfahrung, dass es die Umwelt erkunden kann und sich doch immer behütet weiss. Das stärkt Selbstsicherheit und Selbstvertrauen.
Die Befürchtung, dass viel getragene Kinder nur spät das Krabbeln oder Laufen erlernen ist unbegründet. Mehrfachmütter berichten häufig sogar, dass ihre “Traglinge” schneller das Laufen erlernt haben, als die nicht so häufig getragenen Geschwister. Meine Kinder wurden viel und ausgiebig getragen. Beide fingen mit 12 Monaten zu Laufen an. Große Krabbler waren alle zwei nicht: eher “Robber” und “Porutscher”.
Also tragen Sie Ihr Kind ganz unbesorgt und entdecken Sie mit ihm zusammen die Welt.